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Netzwerktreffen Augsut 2016 in Mankoadze/Ghana

Es soll ein dynamischer und optimistischer Tag für unsere ASASE-Kinder und -Jugendlichen werden. Sie selber nennen sich ASASEMBA (aus dem Fanti= Kinder von ASASE), haben sich bereits in einer Facebook- und Whats-App-Gruppe organisiert und nutzen aktiv diese Plattformen. Die ersten Schritte zu einem Netzwerk sind zwar gemacht, aber soziale Medien und Chatrooms zu nutzen, reicht nicht aus, um von einem funktionierenden Netzwerk zu sprechen.
Wir sind beim Thema des Tages: Networking.
Das Seminar beginnt morgens in unserem Projektdorf Mankoadze unter einem schattenspenden Mandelbaum. Im Hintergrund ein sagenhafter Tropenstrand und Meeresrauschen: Ein idealer Ort, um Gedanken freien Lauf zu lassen und sich wohlzufühlen. Die Köchinnen haben bereits begonnen, in der Open-air-Küche das Mittagessen vorzubereiten: Es duftet nach Kenke (ghanaischer Maisknödel), Fisch und scharfer Tomatensauce. Drei Referenten führen durch den Tag: Norbert, Kenneth und Sabine. Norbert, pensionierter Chemieingenieur und Journalist, spricht über den Aufbau guter Verhaltensweisen ("attitudes"), die erfolgreiches Handeln angesichts zerbrechlicher Lebensverhältnisse versprechen. Er legt den Jugendlichen nahe, ein gutes Arbeitsverhalten, Integrität, den Willen zur Veränderung und Selbsthilfekräfte zu entwickeln, um Gesundheit, bestmögliche Bildung, Selbstbestimmung und sicherere Lebensverhältnisse zu erlangen.

Ghana braucht dringend Veränderungen auf allen Ebenen. Gleichzeitig aber ist für die Jugendlichen wichtig zu erkennen, was der kulturelle Kern Ghanas ist. Mit Selbstbewusstsein an die Einheit aller in Ghana lebenden Völker zu glauben, ist ein ständiger Prozess der Verständigung zwischen einer Vielfalt von Sprachen und Kulturtraditionen. Ein schwieriges Kunststück, das in Ghana gut gelingt, aber kein sicherer Besitz ist, sondern immer wieder neu glücken muss.
Zu viele historische Verwerfungen, politische und wirtschaftliche Fehlentwicklungen, Erlösung versprechende Kirchen, Urbanisierung, Globalisierung, Digitalisierung ... etc. haben die Menschen verunsichert.
Die großartigen Zeiten direkt nach der Unabhängigkeit unter dem visionären Präsidenten Kwame NKrumah sind schon lange vorbei, und was nach den unheilbringenden Militärdiktaturen der 80er- und 90er Jahre an politischer Führung kam, hat das Land in eine nie gekannte wirtschaftliche Schräglage gebracht. Und dies, obwohl Ghana über alle wichtigen Ressourcen verfügt, die Wohlstand für alle bringen könnten.
Die ganze Hoffnung liegt auf der Jugend.
ASASE hat in den letzten 20 Jahren circa 50 Jugendlichen zu einer Ausbildung verholfen, 14 davon haben bis jetzt einen akademischen Abschluss erworben und zehn sind Handwerker oder Facharbeiter geworden. Die anderen gehen noch zur Schule.
Der Aufstieg in die Mittelschicht ist ein wichtiges Entwicklungsziel.
Hierzu wendet sich Kenneth an die Gruppe. Er promoviert zu einem Thema über Arbeitsbedingungen und Umweltschutz beim Goldabbau in Ghana. Genügend Vorbilder entstanden aber auch innerhalb des ASASEMBA-Netzwerkes in den letzten zwei Jahrzehnten und einige Jugendliche und junge Erwachsene ergreifen an diesem Netzwerk-Tag das Wort und treten vor die Gruppe: Aus Laila, dem einst am Strand herumstreunenden Jungen, der zum Überleben Kokosnüsse von den Palmen holte und von dem viele Dorfbewohner erzählten, er sei zu nichts zu gebrauchen, ist ein erfolgreicher Schreiner geworden. Er arbeitet in der Hauptstadt der Ashanti-Region, Kumasi. Sein Betrieb hat kürzlich einen dicken Auftrag an Land gezogen: Er soll alle Dächer der Universitätsgebäude in Kumasi erneuern. Heute lacht niemand mehr im Dorf über Laila, sondern man erweist ihm Respekt und Achtung.
Samuel, heute ein Elektroingenieur in einer großen Firma in der Hauptstadt Accra, übernimmt das Wort und ruft alle Jugendlichen auf, nicht auf staatliche Hilfe zu warten, sondern das Leben selbst in die Hand zu nehmen. Die Grausamkeit der Hoffnung hat fast jeder in Ghana kennengelernt. Anstrengung tut Not und nichts fällt einem leicht in den Schoß. Seine Message wird gut verstanden. Nachdenkliches Kopfnicken.
Esther, die angehende Lehrerin, ist an der Reihe und berichtet, wie wichtig es für sie war, Vorbilder zu haben und über den Verein ASASE Erwachsene kennenzulernen, die auf sie schauten und an sie glaubten. Alle Aktiven von ASASE haben das x-fach erlebt: Persönliche Zuwendung hilft fast immer.
An geglückten Ausbildungserfahrungen mangelt es in diesem Kreis nicht. Es knistert vor Energie und Kreativität in dieser Runde.


Am Nachmittag steht das Thema "Netzwerken" auf dem Programm. Sabine, eine unserer Patinnen und von Beruf Didaktikerin und Deutschlehrertrainerin weltweit, übernimmt diesen Part und legt Wert auf interaktives Lernen. Wie funktioniert ein gutes Netzwerk? Welche Grundlagen sind notwendig? Welche Störfaktoren und Hindernisse gilt es zu vermeiden?

Die interaktiven Übungen führen den Jugendlichen vor Augen, welche Gemeinsamkeiten sie haben, aber auch wie unterschiedlich und heterogen die Gruppe ist.
Sie verstehen schnell, dass gute Beziehungen untereinander, vertrauensvolle Kommunikation und Respekt die Basis sind für ein funktionierendes Netzwerk. Sie sind auf einem guten Weg.
Obwohl noch viele Fragen "im Raum" stehen, müssen wir zum Abschluss kommen. Aus den Gesichtern spricht, dass starke Gedanken und Emotionen bewegt wurden. Zufriedenheit, Humor und Lebensfreude in allen Ecken. Da den meisten ASASEMBA noch lange Heimwege bei schwierigen Straßen-und Verkehrsverhältnissen bevorstehen, heißt es schon am späten Nachmittag Abschied nehmen. Manche tun dies wortreich und überschwänglich, andere bleiben still, aber die vielsagenden Blicke sprechen für sich.
Die ASASEMBA nehmen viele zündende Ideen mit nach Hause und die Zukunft wird zeigen, was sie daraus machen. Eines aber ist klar: Aus Leidtragenden sind positiv orientierte Menschen geworden, die nicht vergessen haben, dass ansonsten ein Leben ohne Bildung und Wahlmöglichkeiten ihr wahrscheinliches Schicksal geworden wäre. Sie trauen sich zu, Herausforderungen anzunehmen und daran zu wachsen.
Wir danken unseren beiden "Netzwerksäulen" Ogyi ( Mankoadze) und Albert (Sampa) für die große Mühe, Geduld und effektive Unterstützung, die sie den Kindern und Jugendlichen im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte ehrenamtlich geschenkt haben. Aus eurer Unterstützung ist ein Netzwerk von ausgebildeten jungen Leuten hervorgegangen, die Selbsthilfe praktizieren und euch unendlich dankbar sind. Da viele eurer Patenkinder keine Eltern mehr haben oder verlassen wurden, haben sie eine neue Familie gefunden: Die ASASEMBA.

Die Freude auf das nächste Netzwerktreffen ist jetzt schon da.

Beste Grüße aus Mankoadze
Eva, Jerry, Albert und Ogyi